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23. November 2021

Trend

Experteninterviews

Homeoffice im klinischen Alltag auch in Zukunft?

Im klinischen Alltag plötzlich im Homeoffice zu arbeiten – vor dieser Herausforderung stand das medizinische Personal in der COVID-19-Krise. Eine Umfrage bei Experten zeigt mögliche Wege für die Zukunft auf.
Competence Nicole Sehringer Bucher

Autorin

Prof. Dr.

Nicole Sehringer Bucher

MBA, Leiterin Projekte & Prozesse, Kantonsspital Aarau

nicole.sehringer@ksa.ch

Welche patientenbezogenen administrativen Tätigkeiten kann Spital- und Klinikpersonal (Ärztinnen und Ärzte, Pflegende, Sekretariate) auch in Zukunft im Homeoffice-Arbeitsmodell erledigen? Dieser zentralen Frage ist die Autorin im Rahmen eines MBA-Studiums nachgegangen. Welche technischen und organisatorischen Voraussetzungen müssen für Home­office-Arbeitsangebote geschaffen wer­­­den und inwiefern sind die heutigen Spital-Beschäftigten schon bereit für das Homeoffice-Modell? Auch diese Fragen bildeten Gegenstand dieser Studie, denn infolge der überalterten Infrastrukturen müssen Spitäler und Kliniken in neue, flexiblere Bauten investieren.

Die Ergebnisse der Experteninterviews überraschen nicht, aufgrund von COVID-19 hat ein Umdenken stattgefunden. Was früher unmöglich war, ist für alle Experten Realität geworden: Homeoffice ist auch in Spitälern und Kliniken nicht mehr wegzudenken. Das bringt nicht nur Vorteile, aber die Ergebnisse der Interviews bestätigen auch einen Gesamtnutzen.

Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegende haben in der Pandemie vermehrt begonnen, situativ
im Homeoffice zu arbeiten. (Foto: Pixabay)

Umstellung von Behandlungsprozessen

Durch die COVID-19-Pandemie hat sich die Homeoffice-Arbeitsform bei Spital- und -Klinikleitenden durchgesetzt. Für attraktive Arbeitgeber ist es unerlässlich, auch für die kommenden Generationen von Ärztinnen und Ärzten und Pflegenden mehr Flexibilität hinsichtlich Arbeitsort anzubieten. Damit also auch Ärzte einen Teil der pa­tienten­bezo­ge­nen Büroarbeiten im Homeoffice erledigen können, müssen Behandlungsprozesse umgestellt werden. Es braucht konkrete Zeitfenster für administrative Arbeiten.

Mehr Ruhe zum Arbeiten

Mit Homeoffice-Arbeitsmodellen kann zwar keine räumliche Fläche eingespart werden, wichtiger ist aber der Aspekt, dass den Mitarbeitenden die Wahl des Arbeitsortes weitgehend überlassen werden kann. Alle Befragten nennen den Punkt «Ruhe zum Arbeiten» als höchste Priorität bei den Wahlkriterien. Hierbei ist es nicht massgebend, ob dieser Aspekt vor Ort im Spital oder zu Hause bei den Mitarbeitenden zum Tragen kommt.

Um Homeoffice in Spitälern umzusetzen, gilt es eine neue Führungskultur zu etablieren, welche auf Vertrauen aufbaut.

Veränderungen sind notwendig, aber unbeliebt, denn sie stellen gefestigte, etablierte Strukturen und Prozesse in Frage und bringen damit Ungewissheit. Erfahrungen in der COVID­-19-Krise werden aber die Bestrebungen unterstützen, das Homeoffice-Modell in Spitälern und Kliniken umfassend aufzubauen. Für die Umsetzung gilt es Regeln zu definieren und eine neue Füh­rungskultur zu etablieren, welche auf Vertrauen aufbaut. Die technische Infrastruktur und der technische Support der Spitäler und Kliniken unterstützen dieses Arbeitsmodell heute in ausreichendem Masse. Entwicklungen hinsichtlich Performance und Datenschutzregelungen werden den technischen Aufbau in den nächsten Jahren weiter verstärken. Es fällt auf, dass in vielen Spitalleitungen konkrete Ideen und Bemühungen zur Umsetzung von weitreichenden Homeoffice-Ar­beitsmodellen bisher noch fehlen.

Beitragsbild: Pixabay

   

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